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Analog oder Digital? Sowohl als auch!

Was macht politische Kommunikation eigentlich aus? Wie verändert Social Media gewohnte Kommunikationsverhalten und wie können Plattformen wie Facebook oder Twitter sinnvoll eingesetzt werden. Diese Themen diskutierten unter dem Motto „Social Media und Politik“ der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Frank Schmiechen, stellvertretender Chefredakteur der WELT, beim 18. UdL Digital Talk in Berlin.UdL Digital Talk Berlin | 26.09.2012

Wie fast schon zu erwarten, ging es allerdings zu Beginn erst mal um das gerade vorgestellte Banken-Regulierungspapier und die seit Wochen andauernde Frage – wer wird Kanzlerkandidat der SPD. Diese Frage wurde trotz bohrenden Nachfragen des Moderators  Cherno Jobatey auch an diesem Abend nicht endgültig beantwortet.

Die Diskussion drehte sich in weiten Teilen darum, welche Daten im Internet durch die User veröffentlicht werden und mit welcher Freizügigkeit oftmals private Dinge ins Netz gestellt werden.
Wie passen einerseits die Debatte um Vorratsdatenspeicherung des Staates und der oftmals unbedachte Umgang mit persönlichen Daten in sozialen Netzwerken der Internet-Giganten wie Google und Facebook zusammen. Einigkeit herrschte bei beiden Diskutanten, dass sowohl in der WELT Redaktion als auch in Steinbrücks Büro „kleine Jugendsünden“ im Netz, wie Fotos von Partys kein Problem bei einer Bewerbung darstellen würden.

Die größten Unterschiede zur analogen Kommunikation zwischen Politikern und Bürgern liegen nach Ansicht von Peer Steinbrück bei der Vervielfältigung und der schnellen Verbreitung von Informationen.  Dies kann sowohl ein Vorteil sein, allerdings wie aktuelle Diskussionen  im Internet zeigen, auch negative Auswirkungen haben.

„Wir sind Virtuosen im Buch und Briefe schreiben, aber blutige Anfänger im Netz“ resümierte Frank Schmiechen und brachte damit einen wesentlichen Aspekt auf den Punkt. Egal ob Parteien, Politiker oder Bürger – alle befinden sich noch in einer Experimentierphase.

Für Peer Steinbrück sind Authentizität und Glaubwürdigkeit die entscheidenden Kriterien in der Kommunikation, dies gilt sowohl offline als auch online. So gibt Steinbrück ganz offen zu, dass sein Facebook-Profil von seinen Mitarbeitern gepflegt wird und sich dies auch als Bundeskanzler nicht ändern würde.

Das Internet wird noch lange nicht den persönlichen Dialog zwischen Politikern und Bürgern ersetzen, allerdings wird das Internet in Zukunft noch stärkeren Einfluss auf das tägliche Leben der Menschen und die gesamte Gesellschaft nehmen. Insbesondere für die Politik gilt es daher, den Anschluss an die neue Welt der Kommunikation nicht zu verlieren. Damit der kommunikative Spagat zwischen analoger und digitaler Welt gelingt, möglichst viele Bürger an Meinungsbildungsprozessen beteiligt werden und die steigende Politikverdrossenheit gebremst wird.

Die Frage wie sich poltische Kommunikation im Internet entwickelt, wird uns mit Sicherheit noch länger beschäftigen, als die Frage wen die Sozialdemokraten als Kanzlerkandidaten aufstellen.

Mehr zu dieser Veranstaltung finden Sie hier:

http://www.udldigital.de/steinbruck-ich-twittere-nicht/

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